„Kraienkösst"

Unter „Kösst' versteht der Wendländer Hochzeit. Daneben tritt diese
Bezeichnung auch in Zusammensetzungen wie » Richtekösst«, ‚Gräffniskösst",
„Maschinenkösst« usw. auf und kennzeichnet dabei jeweils einGastmahl.


Die „Kraienkösst« verläuft unter Berücksichtigung der Belege 205-209 folgendermaßen:

Alljährlich binden die jungen Burschen eines jeden Dorfes
am Sonntag nach Ostern (Weißer Sonntag) ein Krähennest auf einen
ca. zwei Meter langen Ast oder Stock. Meistens ist das Nest mit Kräheneiern
gefüllt. Mit diesem sog. „Kraienrick" ziehen die Burschen zum Heischegang (Betteln)
von Haus zu Haus. Einer der Jungen ist dabei als Frau verkleidet. Dieser
oder der jüngste Bursche unter ihnen muß die „Kiep" für die gesammelten
Gaben tragen. Ein anderer sorgt mit einer „'Andörgol" für Musik. Der
älteste Bursche trägt eine „Schluckbull« bei sich, aus der er den Hauswirten
einschenkt. Folgender Vers wird beim Heischegang aufgesagt:


„Tain Aier, tain Aier in unser Kiep,
wie sünd arm un jie sünd riek.
Wenn jie uns nich tain Aier gähm,
denn schall uns Hoahn ju Homer nich tred'n.
Gäft uns watt un bat uns goahn,
datt wie vör Oam noch wiererkoam'n." (205)


Von dieser aus Güstritz stammenden Fassung weicht diejenige aus Nauden etwas ab:


» Fief Aier in uns Kiep,
wie sünd arm un jie sünd riek.
Wenn jie uns kein Aier gähm,
schall dei Krai ju Kük'n wechnähm'n." (207)

Erhalten sie keine Gaben, dann rufen sie spottend:

»Swart Tweern, Witt Tweern,
dei oll Wief dei gifft nich gern.« (205)

Bei ihrem Heischegang erhalten sie vorwiegend Eier, daneben auch
Wurst, Speck und Geld. Am Abend findet in der Gastwirtschaft ein Eieressen
statt, zu welchem auch die Mädchen eingeladen werden. Die restlichen
Eier werden zur Herstellung eines Eierwarmbieres verbraucht oder verkauft.
Die Nacht hindurch wird bei Musik und Tanz gefeiert.

»Das „Kreienbeer« (Krähenbier) ist ein Fest, das hauptsächlich für die
jungen Dienstboten im Dorfe bestimmt ist. Es wird acht Tage nach Ostern,
am sogenannten „weißen Sonntage« gefeiert und stammt aus der Zeit, wo
man den Vögeln noch mehr nachstellte, und wo bei den großen Holzflächen
die für schädlich gehaltenen Thiere noch viel ungestörter nisten
konnten. Im Frühlinge, wenn die Krähen anfingen dem Fortpflanzungstriebe
nachzuhängen, erhielten die jungen Burschen den Auftrag, dieselben
mit ihren Nestern zu vernichten, und wurden nach vollbrachter Arbeit von
ihren Dienstherren festlich bewirthet. Man eilte dann zum Bierfaß und zum
Tanze. Noch jetzt ziehen der Form wegen die Knechte mit allen rostigen
Flinten, die aufzutreiben gewesen, auch mit Stangen bewaffnet auf solche
Razzias aus. Die Hauptsache ist indessen natürlich das Vergnügen.`
Es fällt auf, daß bei entsprechenden Festen, die außerhalb des Verbreitungsgebietes
der „Kraienkösst« zu P f i n g s t e n üblich waren, das Motiv
der Krähenbekämpfung fast gänzlich zurücktrat.

Unter „Kösst' versteht der Wendländer Hochzeit. Daneben tritt diese
Bezeichnung auch in Zusammensetzungen wie » Richtekösst«, ‚Gräffniskösst",
„Maschinenkösst« usw. auf und kennzeichnet dabei jeweils einGastmahl.


Die „Kraienkösst« verläuft unter Berücksichtigung der Belege 205-209 folgendermaßen:

Alljährlich binden die jungen Burschen eines jeden Dorfes
am Sonntag nach Ostern (Weißer Sonntag) ein Krähennest auf einen
ca. zwei Meter langen Ast oder Stock. Meistens ist das Nest mit Kräheneiern
gefüllt. Mit diesem sog. „Kraienrick" ziehen die Burschen zum Heischegang (Betteln)
von Haus zu Haus. Einer der Jungen ist dabei als Frau verkleidet. Dieser
oder der jüngste Bursche unter ihnen muß die „Kiep" für die gesammelten
Gaben tragen. Ein anderer sorgt mit einer „'Andörgol" für Musik. Der
älteste Bursche trägt eine „Schluckbull« bei sich, aus der er den Hauswirten
einschenkt. Folgender Vers wird beim Heischegang aufgesagt:


„Tain Aier, tain Aier in unser Kiep,
wie sünd arm un jie sünd riek.
Wenn jie uns nich tain Aier gähm,
denn schall uns Hoahn ju Homer nich tred'n.
Gäft uns watt un bat uns goahn,
datt wie vör Oam noch wiererkoam'n." (205)


Von dieser aus Güstritz stammenden Fassung weicht diejenige aus Nauden etwas ab:


» Fief Aier in uns Kiep,
wie sünd arm un jie sünd riek.
Wenn jie uns kein Aier gähm,
schall dei Krai ju Kük'n wechnähm'n." (207)

Erhalten sie keine Gaben, dann rufen sie spottend:

»Swart Tweern, Witt Tweern,
dei oll Wief dei gifft nich gern.« (205)

Bei ihrem Heischegang erhalten sie vorwiegend Eier, daneben auch
Wurst, Speck und Geld. Am Abend findet in der Gastwirtschaft ein Eieressen
statt, zu welchem auch die Mädchen eingeladen werden. Die restlichen
Eier werden zur Herstellung eines Eierwarmbieres verbraucht oder verkauft.
Die Nacht hindurch wird bei Musik und Tanz gefeiert.

»Das „Kreienbeer« (Krähenbier) ist ein Fest, das hauptsächlich für die
jungen Dienstboten im Dorfe bestimmt ist. Es wird acht Tage nach Ostern,
am sogenannten „weißen Sonntage« gefeiert und stammt aus der Zeit, wo
man den Vögeln noch mehr nachstellte, und wo bei den großen Holzflächen
die für schädlich gehaltenen Thiere noch viel ungestörter nisten
konnten. Im Frühlinge, wenn die Krähen anfingen dem Fortpflanzungstriebe
nachzuhängen, erhielten die jungen Burschen den Auftrag, dieselben
mit ihren Nestern zu vernichten, und wurden nach vollbrachter Arbeit von
ihren Dienstherren festlich bewirthet. Man eilte dann zum Bierfaß und zum
Tanze. Noch jetzt ziehen der Form wegen die Knechte mit allen rostigen
Flinten, die aufzutreiben gewesen, auch mit Stangen bewaffnet auf solche
Razzias aus. Die Hauptsache ist indessen natürlich das Vergnügen.`
Es fällt auf, daß bei entsprechenden Festen, die außerhalb des Verbreitungsgebietes
der „Kraienkösst« zu P f i n g s t e n üblich waren, das Motiv
der Krähenbekämpfung fast gänzlich zurücktrat.