Warum nicht mal nach Krummasel

 Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben. Bei Oliver Rausch war es der Tanzsaal der ehemaligen Gaststätte „Zur Eiche" in Krummasel.

Als er den Saal mit der hohen, gewölbten Decke und den

zum Teil abbröckelnden Wandmalereien betrat, wusste er: „Das kaufen wir" - ohne das Haupthaus überhaupt betreten zu haben.

Das war vor gut zehn Jahren, und seitdem haben Rausch und die anderen Mitglieder der Kommune Krummasel

viel und größtenteils in Eigenleistung an dem 1911 erbauten Haupthaus renoviert.

Besitzer der alten Gaststätte, die jetzt „Krumme Eiche" heißt, ist der gleichnamige Verein. Derzeit leben dort sieben Erwachsene

und zwei Kinder, darunter Oliver Rau:' lch und Maike Hagemann, die von Anfang an dabei waren. „Zum Glück sind wir fast alle Handwerker.

Wir haben Ahnung davon und wir wissen, was wir wollen", sagt Ilka Reuter.

Wie bei ihrem Zusammenleben: „Das Prinzip ist: zusammen leben, zusammen arbeiten, zusammen wirtschaften.

Man lebt gemeinsam und die Entscheidungen werden im Konsens gefällt", erzählt Oliver Rausch.

Alle haben neben der Hausrenovierung andere Jobs, der Verdienst fließt in eine gemeinsame Kasse.

„Wir versuchen, ein Gegenmodell zur konsumgesellschaft zu leben", sagt Maike Hagemann.

Die „Krumme Eiche" versteht sich auch als sozialer Treffpunkt und öffnet jeden ersten Sonntag im Monat für den „Club" ihre Türen.

Und dann gibt es da noch den Bio-Mitgliederladen „Rabattz", der so gut ankommt, dass es eine Warteliste gibt. Unter den

derzeit knapp 100 Mitgliedern sind auch mehrere Krummaseler. Die seien der „Krummen Eiche" von Anfang an „sehr freundlich

und aufgeschlossen" entgegengetreten, sagt Oliver Rausch, der Mitglied in der Dorfgemeinschaft Krummasel ist:

„Die liegt uns am Herzen, und wir freuen uns total, dass es hier so etwas gibt, das funktioniert."

 Der eingetragene Verein mit seinen knapp 40 Mitgliedern veranstaltet unter anderem ein Sommerfest und das Bachwerfen:

Zweimal im Jahr treffen sich die Mitglieder, um den Mühlenbach zu säubern. Die erste größere Aktion nach der Vereinsgründung

2001 galt dem alten Spritzenhaus, das die Mitglieder Von Grund auf renoviert haben. Jetzt dient das nach einer Seite

hin offene Häuschen unter anderem als Unterstand für die Kinder bei Regen, erzählt Vorsitzender Hartmut Hinrichs. Mehr

als 20 der knapp 140 Krummaseler sind Kinder und spielen gern auf dem gepflegten Spiel- und Bolzplatz. „Ich habe hier früher

gespielt, und meine Kinder tun das jetzt auch. Die Tore haben wir in Eigenregie errichtet, die Kinder kommen bis aus Tüschal}

und Saggrian zum Bolzen", sagt Hinrichs.

Das passt zur Tradition des Dorfes, (das bis 1967 auch für die Tüschauer und Saggrianer Schulstandort War).

Heute ist das Gebäude neben der Kirche das Gemeindehaus. Herbert Rußmann kann sich noch gut an Lehrer Heißmann erinnern:

„Der ist eine Legende. Er war Küster, Kantor, Lektor und Lehrer, alles in einem",

sagt Rußmann über den Lehrer, der die Kinder bis zur sechsten Klasse in einem Raum unterrichtete.

Wenn Herbert Rußmann nach Hause kam, wartete oft nur ein Zettel auf ihn, mit dem er aufs Feld beordert wurde.

Damals gab es viele Bauern in Krummasel, heute ist Norbert Rühmann der einzige Haupterwerbs-Landwirt.

Herbert Rußmann betreibt mit seinem jüngeren Sohn eine Landwirtschaft im Nebenerwerb.

Die Rußmanns sind die älteste Familie in Krummasel, der Name wurde 1564 erstmals urkundlich er" wähnt, auf Hof Nr. 3, wo Herbert und Hanna Rußmann,

die bei der Hochzeit nur auf die andere Seite der Straße gezogen ist, immer noch wohnen.

Auch Tochter Simona Rußmann hat mit Holger Schulz einen gebürtigen Krummaseler geheiratet.

Ihre Kinder Nele (7) und Lea (5) wissen die familiäre Verbundenheit zum Dorf zu schätzen:

,,Mir gefällt, dass ich mal kurz zu Oma und Opa gehen kann", sagt Nele, die dann meist auch gleich bei den Hühnern ihrer Uroma die Eier abnimmt.

Erika Spranz ist mit 94 Jahren die älteste Krummaselerin.

Auch Bernd Hasselmann ist aus dem Dorf nicht wegzudenken. Der 63-Jährige informiert auf www. hasselmann-web.de über

Krummasel und seine Geschichte. Denn „Krummasel war Kirchdorf, Schule, hatte eine Schmiede und mehrere Gaststätten", betont Hasselman.

Heute gibt es unter anderem eine Tischlerei und eine Kunstschmiede. Von der Bedeutung, die das Dorf einmal für seine Umgebung hatte,

zeugt die Kirche von 1895 mit ihren 400 Plätzen. Krummasel war wohl schon im 12. Jahrhundert Kirchort.

Ob es damals schon die Kraienkösst gegeben hat, weiß man nicht. Heute ist Krummasel eines der wenigen Dörfer, in denen der alte Brauch,

bei dem die jungen Männer mit Kräheneiern durchs Dorf ziehen, noch praktiziert wird. Zur Belohnung dafür, dass sie die Nester der Krähen ausgenommen hatten,

gab es früher Hühnereier, heute vor allem Geld.

Seit Jahrzehnten sind auch die Teilzeit-Krummaseler Teil der Dorfgemeinschaft. Die Berlinerin Anna Heidmann hat schon die

Schulferien ihrer Kindheit in dem Dorf verbracht und kommt jetzt mit ihren Kindern ins Wendland, weil „es der entspannteste

Urlaub ist. Man kennt alle, die Kinder können einfach rausgehen." Dort treffen sie auf ihre Krummaseler Freunde, denn „wir

sind eine große Gemeinschaft", sagt Daniela Hinrichs, die früher ihrerseits die Ferien mit Anna Heidmann verbracht hat.

( ) Tüschauer und Saggrianer gehörten zum Schulstandort Kl Witzeetze

Zahlen, Daten, Fakten

Krummasel liegt nördlich der K8 rund 9 km nordwestlich von Lüchow.,.

Das Dorf wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt als Gromaßle

An den Rundling, der trotz eines im 19. Jahrhundert erfolgten

Straßendurchbruchs nach Breselenz noch gut zu erkennen ist,

schließt sich südlich eine Nachsiedlung an, wo sich auch die Kirche,

die ehemalige Schule Lind die „Krumme Eiche“ befinden.

 Quelle: Elbe Jeetzel Zeitung