Bauernreihe

 

Bi Kösst, wenn dei jung Ehelü ut Kirch trüchkehrt, denn ward dei Groutdör toustäkt,

un denn müdd'n sei erst anklobb'm, ob sei rinkoam'n könn'n. Un denn

fröcht dei Voara jem, ob sei ouk ördenlich un gout wesen woll'n. Un denn segg'n

dei beid'n: „Datt wiel'n wie!" Denn ward dei Dör oab'mmoakt, un denn gifft

datt Wien un ward tosoam'nstött, un denn drink'n sei un könn'n noa Hus rinkoam'n

Alwine Schulz Krummasel geb. 1884 - 1965

Bei der Hochzeit, wenn die jungen Eheleute aus der Kirche kommen, dann wurde die große Tür zugestellt, und dann müssen die jungen Eheleute anklopfen, ob sie reinkommen dürfen. Und dann fragte der Vater jedem, ob sie ordentlich und gut sein wollen. Und dann sagen beide. Das sind wir! Dann wird die große Tür geöffnet, und dann gibt es Wein und wurde Zusammen angestoßen, und dann trinken sie und dürfen dann in das Haus.

 



 

Wenn in Krummoas'l einer dout is, denn mütt dei Werd von 'Off föftich Lider ,

Beer gäb'm för Groab'm.

Heinrich Rußmann Krummasel geb.1881

Wenn in Krummasel einer gestorben ist, dann muss der Wert von 50 liter Bier für das Grab gegeben werden

 



 

Wenn man Afgen pland'n dait, denn schall man nich sou vöäl schnabbeln, süss

koam'n dei Voggels un fräd'n jem werrer ut.

Ida Sperling Krummasel geb. 1887

Wenn man Erbsen sät , dann soll man nicht soviel sprechen, sonst kommen die Vögel und fressen das wider alles auf.



 

Fröer hem dei Lü dei Grenzen nich sou genau noahm'n, un doa is datt öfter vör- '· //

koamt, datt dei Buern nich noukrieg'n künn'n un hem dei Grenzpöäl versett tou :,

ehr Gunsten. Ass nu einmoal sou ein Buer stöärm is, hat 'ai kein Ruh hat in Grafft §

un hat an dei Grenz spöäkt un roub'm: „ Wu sett ick em hen, wu sett ick em hen?" .J

Un doa is in dei Spöäkerstunn einer vabikoam'n un hat datt hört un em secht: /

„Sctt em hen, wu du em uppnoahm'n hast!" Un doa is dei Spuk ahl wesst, un dei

Buer hat Ruh hat in sien Grafft.

Adlof Hinrichs Krummasel geb. 1892

Früher haben s die Leute bei den Grenzen nicht so genau genommen, und das ist öfter vorgekommen. Das die Bauern nicht nach schauen können wo der Grenzpfahl versetzt, wurde zu seinem Gunsten. Als der Bauer gestorben ist, hatte er in seinem Grabe keine ruhe, und hat an der Grenze gespukt.. Wo habe ich im den hingesetzt? Wo habe ich im den hingesetzt? Und dann ist einer vorbei gekommen und hat das gehört und im gesagt. Setzt dem dort wieder hin wo du den aufgenommen hast. Und dann war der Spuk vorbei und der Bauer hat seine Ruhe im Grab.



 

Datt is in „Houen Krouch" scheig'n Oamd wesst. Doa hat ein Fru Woader hoalt

ut dei Landgroaf. Un as:. sei nu doa sitt un datt Woader sick uppnähm'n dait; doa

kümmt öäwa dei Brück dei 'Usslachter ut Volzendörp un vertellt mit dei Fru. Un

mit eimoal ward datt ganz hell, un dei Fruh secht tou dei Slachter: „Oh Lümanns

V.oara, watt wär datt ämd?" „Ach Deern, datt weitst du doch", secht 'ei, „datt

wär doch dei Düwel werra, dei hat doa werra Geld henbröcht noa Volzendörp!"

Adlof Hinrichs Krummasel geb. 1892

Das ist in einer Gastwirtschaft, gegen Abend gewesen. Da hat eine frau Wasser geholt aus dem Landgraben. Und als sie nu das Wasser aufgenommen hat, kommt über der Brücke der Ausschlachter aus Volzendorf und erzählt mit der frau. Und mit einmal wurde das ganz hell, und die frau sagt zu dem Schlachter : Oh Lühmanns Vater, was war das denn? „ Ach Mädchen das weißt du doch“, sagt er, das war der Teufel wieder, der hat doch wieder Geld heimgebracht nach Volzendorf!

 

 Quelle:Mitteldeutsche Forschungen 1960