Sitten und Gebräuche der Wendländer

Die grundlegenden Wesenszüge des Wendländers liegen in seiner Sparsamkeit, seinem Fleiß und der Genauigkeit bei seiner Arbeit. Ihm wird aber auch Egoismus Zorn und in manchen Dingen Protz nachgesagt.

Mitmenschlichkeit

Er ist schnell mit dem „du" bei der Hand, wenn ihm jemand gefällt

Eines der wichtigsten Werte aber, an die sich der Wende hält, ist die Gastlichkeit. Wenn er im täglichen Leben, Fast bis zum Geiz, als sparsam gilt, gibt er dem Besuch alles, was er auftischen kann. Da wird das köstlichste Gericht vorgesetzt, dazu die beste Flasche aus dem Schapp* geholt.

Selbst auf dem Weg vom Feld nach Hause, zu allen Festlichkeiten und sogar nach Beerdigungen: Bei jeder Gelegenheit wurde früher getanzt und gesungen!

Ehre

Bei vielen Einheimischen ist das auch heute noch so. Wettbewerb und Ehrgeiz liegen beim Wenden dicht beieinander. Hatte ein Bauer sich ein neues Gespann oder einen besseren Wagen zugelegt, war sicher, daß es die anderen ihm in kurzer Zeit nachmachten. Der nach außen gezeigte Stolz wurde in vertrautem Kreis abgelegt.

Familiensinn

Der Bauer war der Erste unter Gleichen auf seinem Hof. Mägde und Knechte gehörten wie Sohn und Tochter zur Familie und wurden auch so behandelt.

Ästhetik

Der Wendländer liebte bunte Stoffe mit grellen Farben. Das lässt sich an den alten, noch erhaltenen Trachten gut fest stellen. Während bei der Kleidung vorwiegend lila und goldfarbene Stoffe verarbeitet wurden, sind bei allen anderen Dingen blaue, rote und grüne Töne vorherrschend.

Auch in der Giebelbemalung der Häuser fallen häufig diese Farben ins Auge.

Wahrheitsliebe

Kleine Notlügen sieht der Wendländer nicht so eng, solange dabei gleichzeitig Finger oder Zehen über kreuzt werden. Im Wendland heißt das „abblitzen lassen“.

Hinweis an die Restbevölkerung: Einfach mal ausprobieren, es funktioniert wirklich, wenn es innerhalb des Sockens oder hinter dem Rücken geschieht! (Falls Ihnen dabei ein Zeh verknackst, wenden Sie sich an den Orthopäden Ihres Vertrauens.)

* Schrank